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Kommentar von Martin Lambeck: Wie geht’s Sigmar Gabriel nach 100 Tagen als SPD-Chef?
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Die Woche in Berlin Wie geht’s Sigmar Gabriel nach 100 Tagen als SPD-Chef?

Kolumnist Martin S. Lambeck traf Sigmar Gabriel gestern auf der Moritzburg in Halle

21.02.2010 - 00:29 UHR
Martin S. Lambeck
BILD am SONNTAG

Samstagnachmittag. Halle, Moritzburg. Genau zum 100. Tag im Amt treffe ich SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der Vorsitzende kommt in Pullover, Barbour-Jacke und einem roten Schal von der IG Metall.

„Bin hier ganz privat und will mir die neue Ausstellung der ‚Brücke-Künstler‘ angucken“, sagt er und nimmt seine Freundin Anke Stadler in den Arm. Die kommt aus Magdeburg und hat ihn an diesem Tag in die Moritzburg gebracht. Das alte Festungsgebäude hat mit Magdeburg unmittelbar zu tun. Es war nämlich einmal die Residenz der Erzbischöfe von Magdeburg. Aber heute geht es Gabriel in den alten Mauern um die Werke der Dresdner Künstlergruppe „Die Brücke“.

SPD-Chef Sigmar Gabriel mit BamS-Chefkolumnist Martin S. Lambeck

SPD-Chef Sigmar Gabriel (r.) mit BamS-Chefkolumnist Martin S. Lambeck auf der Moritzburg in Halle (Saale)

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Gabriel fühlt sich in Städten wie Halle wohl: „Ich bin bekennender Anhänger der Provinz.“

Szenenwechsel in den Westen: Am Tag zuvor sehen wir uns in der alten Kaiserstadt Goslar. Hier leben Gabriels Mutter (87) und seine Schwester. Am Wochenende kümmert er sich um die pflegebedürftige alte Dame.

Goslar ist sein Ruhepol, seine Kraftquelle, hier lebt er seit seiner Geburt.

Kraft kann er brauchen. Sigmar Gabriel weiß genau, dass er noch viel Zeit benötigt, bis die alte Tante SPD wieder aus ihrem Tief bei der Bundestagswahl (23 Prozent) herauskommt. Dabei hat das Energiebündel Gabriel nach wie vor zu viele Kilo auf den Rippen. Der SPD-Chef, achselzuckend: „Na ja, nachts zu viel gegessen . . .“

Im „Café am Markt“ umarmt ihn dann plötzlich ein älterer Herr. Es ist Gabriels Pastor, Pfarrer Reinhard Guischard. Der hat gleich noch Gabriels alten Mathematiklehrer im Schlepptau – Bernd Schmidt. Es ist diese Geborgenheit der Heimat, die ihn hat durchhalten lassen, als er 2003 als Ministerpräsident in Niedersachsen die Landtagswahl verlor, als er später von seinem Ziehvater Gerhard Schröder als „kleines, dickes Gabriel“ verspottet wurde. 2005 flog er auch noch aus dem SPD-Parteivorstand.

Eigentlich ist es ihm erst nach der Wahl 2005 unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wieder so richtig gut gegangen. Da wurde Gabriel Umweltminister und verstand sich so gut mit Merkel, dass mancher Unionsminister ganz gelb vor Neid wurde.

Jetzt ist er als SPD-Chef der wichtigste Gegner Angela Merkels. Ist das Verhältnis nach 100 Tagen im SPD-Vorsitz abgekühlt?

Gabriel: „Nein, das Verhältnis zur Kanzlerin ist heute noch gut. Als ich Umweltminister war, war es ein sehr fairer und kollegialer Umgang. Das macht es heute noch einfach, miteinander umzugehen.“ Und man hält weiter Verbindung: „Wir wollen uns seit Langem bei ihrem Lieblingsfranzosen in Berlin treffen. Das wird bestimmt bald stattfinden.“

Gabriel beteuert: „Ich bin in den 100 Tagen als Mensch derselbe geblieben.“ Das lautstarke Energiebündel von einst wirkt allerdings etwas nachdenklicher als früher, räumt ein: „Man kann auch nicht mehr so tun, als hätte man immer die richtige Lösung für alles.“

Was sagen die Genossen? Vor-Vorgänger Kurt Beck sagt mir: „Sigmar Gabriel leistet gute Arbeit und hat mein Vertrauen. Unsere Zusammenarbeit klappt.“

Seine junge Stellvertreterin, Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig, bescheinigt Gabriel „ein gesundes Verhältnis zur Macht. Und er bringt Stimmung in den Laden“.

Gabriel ist von den Frauen aus Deutschlands Osten sichtlich beeindruckt. Mit der Magdeburger Zahnärztin Anke Stadler ist er jetzt seit vergangenem Jahr liiert.

Vor dem imposanten Tor der alten Festung gesteht mir Sigmar Gabriel: „Ich bin ein halber Beute-Ossi geworden. Ich habe inzwischen meinen zweiten Wohnsitz mit meiner Freundin in Magdeburg. In der Woche leben wir dort. Am Wochenende in meiner Heimatstadt Goslar.“

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